Stoma – und jetzt? 3 Hacks für den Umgang mit deinem Stoma

“Okay, wir machen die Stoma OP.” Dem Arzt das Okay für die Stoma OP zu geben war die härteste Entscheidung meines Lebens.

“Ein Stoma bekommen nur alte Menschen.”

Das war meine feste Meinung. Ich wollte so etwas nicht haben. Ich bin doch viel zu jung für so etwas. Für mich war es eine albtraumhafte Vorstellung, ein Stoma gelegt zu bekommen. Und dann ging es doch ganz schnell, der Arzt stand plötzlich vor mir und sagte: “Ich empfehle dringend, dass wir morgen ein Illeostoma legen. Wenn nicht, ist Ihr Leben in Gefahr.”

Da stand ich vor der Entscheidung, die eigentlich keine mehr war. Jede Zelle meines Körpers stellte sich dagegen. Und doch sagte ich ja. Unwiderruflich.

Was ist ein Stoma?

Ein Stoma (Enterostoma) ist ein künstlicher Darmausgang. Dieser wird z.B. angelegt, wenn der Stuhl vom Patienten nicht mehr gehalten werden kann (= Stuhlinkontinenz) oder ein Teil des Darms zu stark entzündet ist. Der Darm wird an die Buchdecke geleitet und dort befestigt. Der Stuhl läuft dort in einen befestigten Beutel ein. Der Beutel wird vom Patienten i.d.R. selbst in einem regelmäßigen Abstand von 1-2 Tagen gewechselt.

Es gibt verschiedene Typen, die Häufigsten sind das Dickdarmstoma (=Colostoma). Hier wird der Dickdarm umgeleitet. Oder das Dünndarmstoma (=Illeostoma), hier wird der Dünndarm an die Bauchdecke geleitet.

Es gibt viele gute Gründe für ein Dickdarm- oder ein Dünndarmstoma. Es kann Leben retten, Heilungsprozesse beschleunigen oder sogar das Leben lebenswerter machen.

Aus meiner Situation habe ich das Beste gemacht. Nach 3 Jahren wurde es zurückverlegt (ja, es ist möglich dasStoma bei gutem Verlauf zurückverlegen zu lassen).

Das Thema beschäftigt mich darüber hinaus immer noch. Für alle, die kurz vor einem Stoma stehen oder ein Stoma haben, habe ich meine persönlichen Hacks für den Umgang mit dem Stoma zusammengestellt.

#1 Hack: Akzeptiere dein Stoma

Viele Stomaträger sind total glücklich mit ihrem Stoma. Ich konnte mich nie so richtig damit anfreunden. Gezwungenermaßen habe ich es geduldet, aber nie akzeptiert. Zur Folge hatte das einen großen inneren Widerstand. Das führte soweit, dass sogar mein Selbstbewusstsein darunter litt.

Heute kann ich diese Denkweise nur noch teilweise nachvollziehen. Natürlich wünscht sich niemand so einen künstlichen Darmausgang. Doch sich so dagegenzustellen, ist definitiv keine Lösung. Betrachte nicht deine Einschränkungen, sondern die Chancen, die sich dir durch das Stoma ergeben. Es schenkt dir dein Leben.

In einer Studie von Szpilewska, Juzwiszyn & Co. wurde belegt: Je höher die Akzeptanz der Krankheit, desto besser die Lebensqualität.

Was dabei besonders hilft: Sage dir mehrmals jeden Tag, wie gern du dein Stoma hast. Fühle dabei die Freude. Am Anfang kann es sein, dass du einen inneren Widerstand spürst. Doch wenn du es täglich wiederholst, merkst du schnell, wie sich eine deutlich bessere Beziehung zwischen dir und deinem Stoma ergibt.

#2 Hack: Socken helfen gegen die lauten Geräusche

Das Stoma blubbert und furzt gerne vor sich hin. An manchen Tagen ist das schlimmer als an anderen. Da ich viele Kundenmeetings habe, war das ein Horror: 20 Leute sitzen in einem Raum, alles still – und plötzlich strömt laut die Luft aus meinem Stoma. Das war natürlich DER Hingucker für alle Beteiligten.

Es gibt die unterschiedlichsten Tipps und Helferlein, um so etwas zu vermeiden. Ich habe eine Menge davon ausprobiert, doch eine Variante hat mir persönlich am besten geholfen.

Ich habe mir einen breiten Neoprenbandagen zugelegt, der das Stoma unter T-Shirts und dünnen Pullovern kaschiert. Und zwischen dieser Bandage und dem Stoma habe ich eine Socke eingeklemmt. Dies ist sehr simpel und sehr effektiv.

Natürlich solltest du offen mit dem Stoma umzugehen. Doch in manchen Situationen verstehe ich, wenn du das nicht möchtest. Genau dafür ist dieser Hack besonders gut geeignet.

Bonus Hack
Wenn du nur noch deinen Dünndarm oder einen Teil deines Dickdarms zur Verfügung hast, wird der Stuhl nicht eingedickt. Das erschwert das Leben. Die Platte wird schneller undicht und du musst öfters leeren. Wenn du deinen Stuhl eindickst, tust du dich mit dem Handling deutlich leichter. In meinem Beitrag “3 Hacks zum Stuhlgang eindicken” habe ich geschrieben, was du zum Eindicken nutzen kannst.

#3 Hack: Süßstoff gegen den Geruch

Mir war es immer unangenehm, bei Freunden oder anderen Bekannten auf die Toilette zu gehen. Vor allem wegen dem teilweise penetranten Geruch des Stuhls. Ohne Stoma hatte ich noch die Möglichkeit, den Stuhl eine Zeit lang zu halten. Beim Stoma hat man jedoch keinerlei Entscheidungsfähigkeit darüber. Ist der Beutel einmal voll, bleibt keine andere Wahl als der Gang zur Toilette.

Es gibt viele Mittel, günstige Hausmittel bis hin zu teuren Flüssigkeiten, die den Geruch lindern sollen. Aus diversen Foren habe ich mir Tipps geholt und ausprobiert. Teilweise wirken sie leicht, jedoch für mich wenig zufriedenstellend.

Doch dann bekam ich den Tipp, es mit flüssigem Süßstoff zu versuchen. Davon wird einfach nach dem Wechsel sowie nach jeder Leerung zwei bis drei Spritzer in den Beutel gespritzt. Diesen Tipp möchte ich nun dir weitergeben. So ein Fläschchen kostet weniger als 1€, kann problemlos in kleine, handliche To-Go Gefäße umgefüllt werden und wirkt hervorragend.

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Fazit: Stoma Hacks

Nach wie vor möchte ich keinen künstlichen Darmausgang haben. Doch meine Einstellung von damals kann ich nicht mehr nachvollziehen. Mein Appell an dich: Nutze die Chance, die sich dir durch das Stoma ergibt. Finde einen Weg um dein Stoma zu akzeptieren.

Ein Stoma rettet Leben, beschleunigt den Heilungsprozess und verbessert deine Lebensqualität. Und vergiss nicht: Bei gutem Verlauf ist es immer möglich, das Stoma zurückzuverlegen. Vielleicht bist du zu dem Zeitpunkt jedoch auch so davon überzeugt, dass du es gar nicht mehr loshaben möchtest. Also stelle dich nicht dagegen.

Mit Neoprengürtel, Socken und Süßstoff und meisterst du auch schwierige und unangenehme Situationen.

Ich freue mich über deine Erfahrungen mit deinem Stoma in den Kommentaren!

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