Max Asthmacoach – Der Asthma Kinder Chatbot

Ein Chatbot, der Asthma Kinder im Umgang mit ihrer Krankheit coacht? Das klingt cool und etwas futuristisch. MAX – Dein Asthmacoach ist eine Chatbot-basierte digitale Gesundheitsintervention. Die App für 10-15-jährige Kinder mit Asthma erklärt Atemwegserkrankung unterhaltsam und kindgerecht und bindet dabei unterstützend Eltern sowie Leistungserbringer (z.B. Lungenfachexpertinnen oder Lungenärzte) aktiv mit ein.

In einer Studie der ETH Zürich & Universität St. Gallen sowie weiteren Spitälern, haben nun Patienten mithilfe der mobilen Asthma App insgesamt 14 Lerneinheiten durchgeführt. Max begleitet die Patienten durch ein interaktives Quiz, erklärt mithilfe von Lernvideos den Umgang mit der Asthma Erkrankung und fordert zu praktischen Übungen abseits der Asthma Krankheit auf. So sind die Patienten u.a. im Umgang mit einem Asthma Anfall optimal vorbereitet.

Beispielsweise werden die Eltern der Patienten per automatisierter SMS von MAX motiviert, ein Video der Inhalation der jungen Patienten mit dem Smartphone aufzuzeichnen, welches anschließend durch den jeweiligen Leistungserbringer beurteilt wird, um anschließend eine Rückmeldung zur Asthma Inhalationstechnik zu geben.

Ich hatte nun die Möglichkeit, eine der Macher, Samira Harperink, zu interviewen. Lest hier die spannenden Antworten rund um den Max Asthmacoach.

Die Idee zum Max Asthmacoach

Wie seid ihr auf die Idee der Studie gekommen?
„Es gab bereits einen Lerncomic zu Asthma und unsere Idee war es, diesen interaktiv zu gestalten inklusive der Einbindung von Asthma-Experten und Eltern. Die Idee wurde relativ schnell von den beteiligten Ärzten und der Lungenliga als erster ‚Building Block‘ gutgeheissen und dann haben wir direkt schon mit der Umsetzung begonnen.“

Wer ist Samira Harperink?

Samira hat ihren Bachelor in Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen abgeschlossen und arbeitet nebenbei seit über einem Jahr im Center for Digital Health Interventions als Scientific Research Assistent mit. Sie begleitet dort verschiedene Projekte. Bei der Studie mit der Asthma App MAX – dein Asthmacoach war sie von den vorläufigen Tests mit der App bis zur finalen Implementierung und Auswertung dabei.

Max Asthmacoach: Ablauf der Studie mit Asthma Kindern

Bitte beschreibe in einfachen Sätzen den Ablauf der Studie.
„Die Vorbereitungen für die Studie begannen schon vor einigen Jahren mit der Erstellung der Lernvideos. Im Sommer letzten Jahres wurde die App dann von verschiedenen Gruppen getestet und für die Durchführung der Studie vorbereitet. Es wurden dann verschiedene Leistungserbringer (Ärzte und Asthmaexperten) hinzugezogen.

Die potenziellen Teilnehmer wurden von den Leistungserbringern auf die Studie aufmerksam gemacht und konnten, wenn sie die Einschlusskriterien erfüllten, teilnehmen. Dazu bekamen sie einen QR-Code, mit dem sie die Intervention in der App starten konnten. Nachfolgend wurde bestimmt, welches Familienmitglied den Patienten bei den Lernaufgaben unterstützen soll.

Anschliessend konnten die Patienten die 14 Lektionen von etwa 15 Minuten pro Lerneinheit selbständig mit der App durchgehen. Es wurden während der Studie sowohl quantitatives (Reichweite, Adhärenz etc.) als auch qualitatives Feedback (Impressionen der involvierten Parteien) eingeholt. Am Anfang sowie am Ende der Intervention wurde ein Asthma Gesundheitskompetenzquiz durchgeführt. Die Akquisition von Teilnehmern lief über drei Monate.“

Wie und wann genau bekommen die Kinder die Videos zu sehen?
„Die Intervention besteht aus 14 Lektionen mit verschiedenen Lernthemen, Quizzen sowie kleineren Experimenten. Die Lernvideos werden in den verschiedenen Lektionen themenspezifisch den Kindern durch den Chatbot (MAX) präsentiert.

Die Asthma Kinder können sich dort die Videos anschauen und danach den Chat weiterführen. Zudem können sich die Asthma Kinder die Videos jederzeit in der Mediathek erneut anschauen, auch nach Abschluss der Intervention.“

Die Ergebnisse der Studie mit den Asthma Kindern

Was erhofft ihr euch als Ergebnis der Studie?
„Diese Pilotstudie sollte vor allem die Reichweite sowie die technische Machbarkeit der digitalen Intervention zeigen. Wir erhofften uns eine Steigerung der Gesundheitskompetenz im Umgang mit Asthma sowie eine Reduktion von allfälligen Inhalationsfehlern.“

Samiras persönlicher Hack
„Ich denke es ist wichtig, dass man für sich selbst einen guten Weg findet, wie man mit der Situation/ Krankheit umgeht. Dabei sollte man so viel wie möglich ausprobieren und neue Optionen und Möglichkeiten austesten, bis man hoffentlich etwas findet das einem hilft. Ich denke in Zukunft werden noch sehr viele neue und innovative Lösungen hervorkommen, die den Alltag von Erkrankten wesentlich vereinfachen und hoffentlich verbessern werden.“

Welche Ergebnisse kamen bisher bei der Pilotstudie heraus?
„Die Ergebnisse der Studie sind vielversprechend. Zum einen hat uns die Reichweite überrascht, da in den wenigen Monaten bereits beinahe 100 mögliche Patienten erreicht wurden, 50% davon starteten die Intervention.

Sehr erfreulich ist auch, dass die durchschnittliche Abschlussquote der Intervention bei 80.4% lag. Zudem wurde die Asthma Gesundheitskompetenz, die mit einem Quiz am Anfang und am Ende gemessen wurde, von 8.05 Punkten im Durchschnitt auf 9.43 Punkte im Durchschnitt (von maximal 11 Punkten) verbessert.

Ausserdem identifizierten die Gesundheitsdienstleister im Durchschnitt in jedem Videoclip einen Inhalationsfehler. Dies zeigt die Wichtigkeit auf, die Inhalation nochmals zu überprüfen. Die jungen Patienten gaben zudem an, die Interaktionen mit der Asthma App zu mögen und weiter damit arbeiten zu wollen. Auch das qualitative Feedback fiel durchaus positiv aus. Die Leistungserbringer fanden die Intervention sowie die App gelungen und einfach zu bedienen.

Der Chatbot fand vor allem bei den Patienten hohen Anklang. Die Familienangehörigen schätzten, dass die Asthma Kinder mit dem modernen Tool viel über ihre Krankheit lernen konnten. Probleme gab es im Bereich der IT Infrastruktur der verschieden Gesundheitsdienstleister. Zudem kamen einige Vorschläge zur Optimierung des Ablaufes und Design der Intervention.

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Die Leistungserbringer fanden die Intervention sowie die App gelungen und einfach zu bedienen. Der Chatbot fand vor allem bei den Patienten hohen Anklang. Die Familienangehörigen schätzten, dass die Asthma Kinder mit dem modernen Tool viel über ihre Krankheit lernen konnten.

Probleme gab es im Bereich der IT Infrastruktur der verschieden Gesundheitsdienstleister. Zudem kamen einige Vorschläge zur Optimierung des Ablaufes und Design der Intervention.“

Die Zukunft – wie es weitergeht

Wie geht es mit der App weiter?
„Wir arbeiten momentan an der finalen Arbeit zur Pilotstudie und werten alle Ergebnisse noch aus. Verschiedene Leistungserbringer in der Schweiz schauen sich zudem die Möglichkeiten einer Implementierung der hybriden Intervention an und besprechen weitere Schritte.“

Sind ähnliche Studien geplant? Wenn ja, welche?
„Interventionen beschäftigen. Im Bereich Diabetes bei Erwachsenen ist eine Studie in 2020 geplant. Ob es mit MAX – dein Asthmacoach nochmals eine vertieftere oder RTC Studie gibt ist noch nicht entschieden.“

Samiras Tipp für dich:
„Ich wünsche den erkrankten Lesern ganz viel Zuversicht und Durchhaltewillen und hoffe, dass sich in der Zukunft noch viele Wege und Möglichkeiten ergeben, womit der Alltag erleichtert und die Lebensqualität verbessert werden kann.“

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